WRC – Neuville siegt im Monte-Thriller

WRC Monte 2020 Neuville Podium
©Hyundai Motorsport GmbH/Helena El Mokn

Rückblick auf den Saisonauftakt der Rallye-Weltmeisterschaft WRC – Thierry Neuville ringt Toyota-Duo nieder – Weltmeister Ott Tänak nach Crash früh aus der Entscheidung raus –

WRC 2020 – Dreikampf zum Saisonstart

Die Rallye Monte Carlo schrieb auch in diesem Jahr mal wieder ihre eigenen Geschichten. Fangen wir am besten mit der des Siegers an. In diesem Jahr muss sich der 31-jährige Thierry Neuville mit einem neuen Teamkollegen anfreunden, der ihm das Leben wohl schwerer als alle seine bisherigen Kollegen machen wird, die Rede ist von 2019er Weltmeister Ott Tänak.

Doch der Este schrieb bei der 88. Ausgabe der Monte nur am Freitag Schlagzeilen mit einem übel aussehenden Unfall Schlagzeilen, danach war wieder mal Neuville die Hyundai-Speerspitze. Der Belgier mit Copilot Nicolas Gilsoul war zu diesem Zeitpunkt noch recht klar im Hintertreffen gegenüber den beiden Toyota-Piloten Sébastien Ogier und Elfyn Evans, doch schon am Samstag holte er beständig auf die beiden auf und lag vor dem abschließenden Rallyetag wieder in Schlagdistanz.

Hyundai WRC i20
©Hyundai Motorsport GmbH/Austral

Was dann am Sonntag folgte, war Weltklasse. Neuville ging volles Risiko, gewann die verbleibenden Wertungsprüfungen, darunter auch noch die abschließende Powerstage und holte sich seinen ersten Sieg bei der Monte überhaupt.  Dabei half ihm u.a. auch Dani Sordo, der selber zwar nicht in einem Hyundai i20 WRC saß, dafür aber die Rolle des „Ice Man“ übernahm. Sordo behielt die Verhältnisse auf dem Asphalt im Auge und war ein entscheidender Faktor in Sachen Reifenwahl und damit auch für den späteren Erfolg. Sein Einsatz war aber lediglich eine Ausnahme, auf Dauer möchte der Spanier zumindest bei der ein oder andere WRC Rallye auch selber noch zeigen, was er kann.

Für Thierry Neuville war der Monte-Sieg ein ganz besonderer und in diesem Jahr kann er mit maximaler Punkteausbeute in das weitere Jahr gehen. Nach sage und schreibe mittlerweile fünf Vize-Weltmeisterschaften ist 2020 vielleicht endlich das Jahr, in dem er auf den WRC-Thron steigen kann. Seine Leistung bei der Monte war jedenfalls bemerkenswert.

WRC Rallye Monte Carlo 2020 – Stimme des Siegers

Thierry Neuville hätte sich natürlich keinen besseren Start ins neue WRC-Jahr wünschen können, von daher war der Belgier überglücklich:

„Das ist ein unglaublicher Start in die Saison und ein fantastisches Gefühl. Ich bin wirklich froh, dass wir endlich den Sieg in Monte-Carlo errungen haben, das ist etwas, dem wir schon eine ganze Weile hinterhergejagt haben. Wir waren schon früher nah dran, aber jetzt haben wir es geschafft. Es war kein einfaches Wochenende, aber ich habe im Verlauf der Rallye Selbstvertrauen gewonnen und sehr eng mit dem Team und meiner Crew zusammengearbeitet, die einen großartigen Job gemacht haben.

Wir haben in den letzten Tagen unser Gefühl und unseren Komfort im Auto wirklich steigern können, ich konnte mich richtig ins Zeug legen, und wir haben das Resultat bei den Zeiten der WPs gesehen. Wir konnten auch in der Power Stage die maximale Punktzahl erreichen. Unser 13. WM-Sieg -- so eine Glückszahl! Mein Dank gilt dem ganzen Team, es ist der perfekte Start in eine neue Saison.“

Thierry Neuville WRC 2020
©Hyundai Motorsport GmbH/Austral

Hyundai-Debüt von Ott Tänak mit Schrecksekunde(n)

Ott Tänak muss sich noch ein wenig an sein neues Gefährt gewöhnen, den Eindruck hatte man direkt bei den ersten Kilometern der Rallye. Doch bevor man sich hätte ein genaues Urteil über seine Leistung erlauben konnte, kam die vierte Wertungsprüfung und eine Bodenwelle, die das Duo Tänak/Järveoja auf der vor der Rallye stattgefundenen Recce vorher übersehen hatte.

Tänak verlor die Kontrolle über seinen i20 WRC in der ultraschnellen Passage, kam von der Straße ab und überschlug sich mehrfach, doch danach war noch nicht das Ende des Unfalls erreicht, denn der Hyundai segelte noch einen Abhang hinunter. Über 10 Sekunden dauerte der ganze Unfall, ein Wunder, dass der Crew hier nichts passiert ist. Tänak und sein Co mussten zur Beobachtung eine Nacht im Krankenhaus verbringen, waren am Samstag aber schon wieder im Service-Park zu sehen.

WRC - Rallye Monte-Carlo: CRASH Ott Tänak

Für Tänak heißt es jetzt, die Monte schnell zu vergessen und im Februar bei der Rallye Schweden wieder anzugreifen. Teamkollege Neuville hat allerdings schon einmal 25 Zähler mehr auf dem Konto…

WRC Monte Carlo-Licht und Schatten bei Hyundai

Der Aufholjagd und dem Sieg von Thierry Neuville standen bei Hyundai der Crash von Ott Tänak und das durchwachsende Abschneiden von Rallye-Rekordweltmeister Sébastien Loeb entgegen. Loeb kam nie richtig in Fahrt, haderte mit der Reifenwahl und beendete die Rallye Monte Carlo auf dem sechsten Gesamtrang.

Später gab der Franzose selber zu, dass er mehr auf Schotter-Rallyes setzten sollte in diesem Jahr und gab selbstkritisch zu, dass er mit dem i20 WRC auf Asphalt nicht mehr ganz vorne mithalten kann. Bei der Rallye Schweden wird der dritte Hyundai jetzt erstmal von Craig Breen gefahren, man wird abwarten müssen, ob aus Hyundai und Loeb doch nochmal die ein oder andere Erfolgsgeschichte wird.

Toyota gleitet der Sieg aus den Händen

Die Ränge 2 und 3 für Sébastien Ogier und Elfyn Evans klingen zwar recht gut für die Toyota-Truppe, doch zufriedene und glückliche Gesichter sehen auf dem Siegerpodium doch irgendwie anders aus.

Bis es am Sonntag auf die letzten WPs ging, sah es danach aus, als würde sich der Waliser Elfyn Evans gleich mal mit einem Sieg bei seinem neuen Arbeitsgeber einen mehr als ordentlichen Einstand bescheren. Das kam etwas überraschend, hatte doch Seb Ogier teamintern hier lange Zeit das Nachsehen. Lt. eigener Aussage ging der Franzose bei einigen WPs etwas zu vorsichtig zu Werke, dennoch war die Leistung von Evans schon erstaunlich und nicht unbedingt erwartet.

Toyota Yaris WRC 2020
©Toyota Gazoo Racing WRC

Doch Ogier wäre nicht Ogier, wenn er das Ganze nicht noch drehen könnte und das tat er dann auch, aber halt nur teamintern. Gegen den fliegenden Neuville hatte auch der Toyota Yaris WRC des Franzosen am Ende nichts mehr in Petto.

Kalle Rovanperä im dritten Yaris lieferte unterdessen ein ordentliches Debüt in der höchsten WRC-Liga ab und konnte sich am Ende vor Sébastien Loeb als Gesamt-5. Platzieren.

Teamchef Tommi Mäkinen zum Saisonauftakt: „Es war ein ausgezeichnetes Wochenende für uns. Natürlich spüren wir eine kleine Enttäuschung über den heutigen Tag und den verpassten Sieg. Die Fahrer hatten heute Morgen nicht das perfekte Gefühl mit dem Auto. Wir haben später einige Änderungen am Setup vorgenommen und so wieder eine gute Geschwindigkeit gefunden.

Wir konkurrieren auf höchstem Niveau und es ist eng. Das Gesamtergebnis ist dennoch unglaublich für unsere erste Rallye mit unseren neuen Fahrern: Nicht nur, dass Sébastien und Elfyn beide auf dem Podium stehen, sondern auch, dass Kalle bei seiner ersten Rallye auf höchstem Niveau als Fünfter ins Ziel kam. Das ist sehr vielversprechend für die Zukunft.“

WRC 2020 Monte
©Toyota Gazoo Racing WRC

M-Sport spielt noch keine Rolle

Der WRC Auftakt der Saison 2020 war unterdessen für M-Sport keiner, an den man sich lang erinnern möchte. Teemu Suninen und Esapekka Lappi verloren schon auf der ersten WP viel Zeit, weil ihr Motor ein Überhitzungsproblem hatte. Suninen musste sein Auto später sogar ganz abstellen, konnte sich aber noch auf den achten Gesamtrang nach vorne fahren.

Beim anderen Finnen lief es zwar zunächst auch nicht rund, dennoch konnte Lappi am Ende nochmal Boden gutmachen und den vierten Gesamtrang einfahren, während Gus Grennsmith eine Rallye zum Vergessen erlebte und sich nach einem Dreher früh in einen Graben verabschiedete.

MSport Ford Fiesta WRC
©M-Sport

Fazit – Spannung an der WRC-Spitze bleibt auch 2020 erhalten

Nach dem Rückzug von Citroën und dem kleineren Feld von WRC-Boliden in dieser Saison fehlt zwar die Klasse in der Breite des Vorjahres, doch die Monte hat gezeigt, dass der Titelkampf 2020 erneut richtig spannend werden kann.

Neuville und die beiden Toyota Yaris von Ogier und Evans trennten am Ende nur gut 14 Sekunden, wenn dann auch noch der amtierende Weltmeister Ott Tänak in Fahrt kommt, steht uns ein harter Kampf in Sachen Weltmeisterschaft ins Haus.

Mitte Februar geht es für den WRC-Tross jetzt erstmal nach Schweden, bevor Mexiko und Argentinien auf dem Programm stehen. Danach wird man dann die Tendenzen in der WRC 2020 sicher besser beurteilen können. Die Rallye Monte Carlo hat aber auf jeden Fall schon mal Appetit auf mehr gemacht… In diesem Sinne, bis bald und Keep Rallying!

WRC - Rallye Monte-Carlo 2020: WINNER Thierry Neuville
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