WRC – Durch den Staub zum WM-Titel

Ogier/Ingrassia RallyAustralia
©Volkswagen 2015 – Ogier/Ingrassia – Weltmeister 2015

Atemberaubende Bilder kamen letztes Wochenende aus Down Under auf den heimischen Schirm. Wie die WRC-Piloten durch den australischen Staub pflügten, das hatte schon was. So wie auch die gesamte Rallye, die zur Abwechslung mal in Sachen Ergebnisse etwas anders aussah – zumindest zu Beginn.

#1 Ogier
©Volkswagen 2015 – VW Polo R und der australische Staub

Während Sébastien Ogier diesmal wirklich unter den schlechten Streckenbedingungen als erster Pilot litt und als schneller Straßenkehrer unterwegs war, übernahm Kris Meeke mit seinem Citroen DS3 WRC früh das Kommando. Der Nordire konnte die Führung auch lange halten – erst in der Nachtprüfung am Samstag verlor er diese an Ogier.

Aufgrund der enormen Staubentwicklung, die die Boliden hinter sich herzogen, verlängerte man in der Nacht den Abstand zwischen den startenden Fahrzeugen von 2 auf 5 Minuten – dennoch muss die Frage gestattet sein, ob solch eine Prüfung unbedingt notwendig ist. Meeke hatte am Ende der Nacht nur 0,3 Sekunden Rückstand auf den VW PoloR mit der Nr. #1, war aber auf die Dunkelfahrt nicht gut zu sprechen und für Interviews nicht zu haben.

WRC Rally Australia 2015
©Volkswagen 2015 – wenn es Nacht wird in Australien

Am letzten Tag war Meeke zwar erneut stark, doch er musste neben Ogier auch Jari-Matti Latvala ziehen lassen. Somit blieb der Kampf ums Podest – hier hatte der Citroen-Pilot dann wenigstens mal das Glück auf seiner Seite, als sich Andreas Mikkelsen eine 10-Sekunden-Strafe einfing, da er zu spät beim Service eintrudelte.

Die Mission von Sébastien Ogier war unterdessen klar – den Sack zum dritten WM-Titel zumachen. Doch zwischenzeitlich nur als Gesamt-Vierter unterwegs, wollte er dies in bestmöglicher Manier ausführen. Also her mit dem Sieg dachte sich der Franzose und die letzten sieben Wertungsprüfungen gingen an ihn. Am letzten Rallye-Tag war er unschlagbar und brachte den Sieg bei der Rallye Australien mit 12 Sekunden Vorsprung vor Latvala unter Dach und Fach.

Sébastien Ogier ist der vierte Fahrer in der Geschichte der Rallye-Weltmeisterschaft, der sich einen dritten WM-Titel sichern konnte – dementsprechend glücklich war der Franzose nach seinem siebten Saisonerfolg 2015:

“Ein fantastisches Gefühl wieder Weltmeister zu sein! Ich bin überglücklich. Der erste WM-Titel bleibt natürlich immer etwas Spezielles, aber die Emotionen sind jedes Mal wieder aufs Neue überwältigend. Es war ein unglaublich intensiver Kampf um den Sieg hier in Australien. Weil der Abstand zu Kris und Jari-Matti über das gesamte Wochenende so knapp war, hatte ich gar keine Zeit, mir wegen des Titels Gedanken zu machen. Auch heute Morgen war meine einzige Devise: Vollgas. Jetzt bin ich einfach nur glücklich, dass es für Julien und mich mit einem Sieg zum dritten Titel gereicht hat. Wahrscheinlich wird es einige Zeit dauern, um zu verstehen, was wir in den letzten drei Jahren zusammen mit unserem großartigen Team erreicht haben.”

Rally Australia 2015
©Volkswagen 2015

Freude natürlich auch bei der gesamten Truppe von Volkswagen, die sich mit ihrem erneuten Doppelsieg den dritten Hersteller-Titel sicher konnten. Eigentlich daher umso erstaunlicher, wie wenig Beachtung die Rallye-WM hier zu Lande medial bekommt. Das wurde mir übrigens auch am ersten Tag der IAA mal wieder bewusst, als Ogier bei Volkswagen einen kurzen Besuch am Mikro abstattete – umringt wurde der Champion von schätzungsweise gerade einmal 20 Personen.

#gopaddon
©Hyundai Motorsport- Hayden Paddon lässt es fliegen

Aber zurück zur Rallye Australien des Jahrgangs 2015. Sehr interessant war vor allem die interne Rangfolge bei Hyundai. Dani Sordo wurde ja bekanntermaßen aufgrund – sagen wir – nicht ausgeprägter Australienerfahrung ins zweite Glied versetzt und Hayden Paddon ging für Hyundai auf die Hatz nach WM-Punkten. Sordo war zu Beginn der Rallye überraschenderweise stärkster Hyundai-Pilot. Mit zunehmender Dauer konnte aber Paddon immer mehr auftrumpfen und sich nach vorne schieben, während Sordo auch mit Bremsproblemen zu kämpfen hatte.

RallyAus - Thierry Neuville
©Hyundai Motorsport

Rallyetag 2 des Neuseeländers war besonders stark, er konnte zwei Wertungprüfungen für sich entscheiden und somit den 5. Rang zementieren. Nach zwischenzeitlichem Hadern mit den Reifen ein starker Abschluss von Paddon, der sicher reif ist für einen dauerhaftes Werks-Cockpit. Thierry Neuville kam gut durch die Rallye – mehr kann man dann aber auch nicht sagen. Einzig die Herstellerwertung führte dazu, dass er am Ende knapp vor Sordo ins Ziel kam. Hyundai liegt hier nun knapp vor Citroen – dieser Kampf ist noch lange nicht entschieden und wird weiter für Spannung sorgen.

Hayden Paddon Australien 2015
©Hyundai Motorsport

Spannend wird sicher auch die Frage sein, wer nächstes Jahr bei Hyundai an Bord ist. Dani Sordo hat sicher den meisten Druck, doch auch Thierry Neuville steht und stand zuletzt etwas in der Kritik. Ein Verbleib bei den Koreanern, deren WRC-Engagement von Alzenau aus betrieben wird, ist gerade jetzt reizvoller denn je, denn der neue Hyundai i20 WRC für 2016, der auf der IAA in Frankfurt gezeigt wurde, ist das einzig richtig neu entwickelte WRC-Auto für die kommende Saison – bevor 2017 ein neues Reglement greift. Dann kann es auch an der Spitze des Feldes enger zugehen.

Neuville RallyeAUS 2015
©Hyundai Motorsport – Flying in Australia

Ott Tanäk war mit Gesamtrang 6 stark unterwegs, während Ford-Kollege Elfyn Evans mit Rang 9 kein gutes Bild abgab. Der Sieg in der WRC2-Wertung ging mit Platz 10 an Nasser Al-Attiyah (Ford Fiesta RRC).

In Australien war jedenfalls am Ende wieder alles in fester Volkswagen-Hand. Die Titel in der Fahrer-,Beifahrer- und Herstellerwertung gehen erneut nach Wolfsburg und Sébastien Ogier durfte sich zurecht feiern lassen. Und abseits davon sorgte Kiwi Hayden Paddon neben bester Unterhaltung für seine vielen Fans vor Ort auch erneut für ein Hyundai-internes Ausrufezeichen. Ich würde mal sagen, der 2016er i20 WRC steht dem Neuseeländer bestimmt gut. In diesem Sinne, bis bald und Keep Rallying!

Gesamtergebnis WRC – Rallye Australien:

1.Sébastien Ogier/Julien Ingrassia (F/F), Volkswagen2:59.16,4 Std.
2.Jari-Matti Latvala/Miikka Anttila (FIN/FIN), Volkswagen+ 12,3 Sek.
3.Kris Meeke/Paul Nagle (GB/IRL), Citroën+ 32,6 Sek.
4.Andreas Mikkelsen/Ola Fløene (N/N), Volkswagen+ 38,5 Sek.
5.Hayden Paddon/John Kennard (NZ/NZ), Hyundai+ 55,1 Sek.
6.Ott Tänak/Raigo Mõlder (EST/EST), Ford+ 1.38,0 Min.
7.Thierry Neuville/Nicolas Gilsoul (B/B), Hyundai+ 2.08,3 Min.
8.Dani Sordo/Marc Martí (E/E), Hyundai+ 2.15,2 Min.
9.Elfyn Evans/Daniel Barritt (GB/GB), Ford+ 4.33,7 Min.
10.Nasser Al-Attiyah/Matthieu Baumel (Q/F), Ford+ 11.46,5 Min.

 

New Generation i20 WRC
©Hyundai Motorsport – die Generation 2016 des i20 WRC von Hyundai
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