WRC – Das Comeback von Thierry Neuville

Thierry Neuville
©Hyundai Motorsport – Comeback auf P1 – Neuville

Welcome Back Thierry – Sieg für Neuville bei der Rallye Sardinien

Es müssen viele Steine gewesen sein, die Hyundai-Pilot Thierry Neuville am vergangenen Sonntag vom Herzen gefallen sind. Der Belgier konnte bei der diesjährigen Ausgabe der Rallye Italien eine fast nicht mehr für möglich gehaltene Leistung abrufen und gewann einen spannenden WRC-Lauf am Ende mit 24,8 Sekunden Vorsprung auf Jari-Matti Latvala im VW Polo R. Für den Belgier, gebürtig aus St. Vith, war es der erste Erfolg seit der Deutschland-Rallye 2014. Damit endete eine Durststrecke, die nicht nur sieglos, sondern auch immer wieder sehr frustrierend war.

Auf der vierten Wertungsprüfung schlug Neuville erstmal zu und holte sich den Etappensieg, dicht gefolgt von Jari-Matti Latvala. Der Finne sollte auch derjenige sein, mit dem sich der Hyundai i20-Fahrer in Sachen Sieg auseinandersetzen musste. Doch der Hyundai-Mann hatte stets eine Antwort parat und am Sonntagmorgen war für den Finnen in VW-Diensten klar, das unter normalen Umständen nichts mehr drin war.

Flying Neuville - Hyundai i20 WRC
©Hyundai Motorsport

Neuville ging kein Risiko mehr ein und blieb diesmal auch von Pech verschont, dementsprechend freudestrahlend kam der Belgier nach seinem Sieg daher: „Ein wirklich fantastisches Wochenende. Großartige Dinge kommen zu denen, die sie verdienen und es ist definitiv ein tolles Gefühl diesen Sieg mit einem unglaublichen Team zu teilen. Wir hatten harte Zeiten, wie in Portugal, doch wir haben zusammen gehalten und unsere harte Arbeit hat sich ausgezahlt“.

Hyundai – Von Hoch und Tiefs

Während man bei der Truppe von Hyundai Motorsport natürlich überglücklich über den Sieg war, gab es aber leider einen schweren Wermutstropfen. Während in den letzten Monaten alle Augen auf Hayden Paddon gerichtet waren und dieser mit dem Sieg in Argentinien einen grandiosen Debüterfolg feiern konnte, ist der fliegende Kiwi seither vom Pech verfolgt. Nach dem Abflug in Portugal mit anschließendem Feuer, das den i20 WRC in einen Totalschaden verwandelte, sollte es in Italien nun eigentlich wieder besser laufen.

ngi20 WRC
©Hyundai Motorsport

Im Vorjahr machte der Neuseeländer hier noch Weltmeister Ogier Feuer unter dem Polo-Hintern, doch in diesem Jahr kam das frühe Aus auf der 7. Wertungsprüfung, als Paddon in der allerletzten Kurve kurz vor dem Etappenziel abflog. Zwei Unfälle hintereinander sind wir von ihm auch nicht gewohnt, frustriert fällt daher das Statement des Shootingstars aus: „Es gibt keine Worte, die unsere Enttäuschung heute beschreiben können. Es war eine weitere Rallye zum Vergessen und ich kann nur sagen, dass es mir vor allem fürs Team leid tut – es war ein dummer Fehler.“ Klare Worte, die den Kiwi aber auch wieder sympathisch machen und ich bin mir sicher, wir werden ihn bald schon wieder obenauf sehen.

Dani Sordo war unterdessende der Unauffällige unter den Hyundai-Fahrern. Rang 4 hieß es am Ende für den Spanier – teamintern wird er sich sicher denken, dass auch er jetzt mal mit einem WRC-Sieg an der Reihe wäre.

VW Polo R WRC Italien 2016
©Volkswagen 2016

Volkswagen Motorsport – die Sache mit der Startposition

Seine Rolle als Straßenfeger gefällt Sébastien Ogier ja bekannterweise so rein gar nicht. In diese Saison ist dies aber sicher mehr von Nachteil, ist der VW-Vorsprung doch sichtlich geschmolzen, Hyundai hat mehr als geliefert in den letzten WM-Läufen. Ein Podium war das Maximum, was es laut Ogier zu holen gab, so musste sich der Franzose am Ende mit einem Rückstand von über 1 1/2 Minuten auf Platz 3 einreihen. Das letzte Wort wollte er sich aber dennoch nicht nehmen lassen und gewann, wie gewohnt, die abschließende Powerstage und konnte somit seine WM-Führung weiter ausbauen.

Während Latvala am Ende Neuville ziehen lassen musste beim Kampf um den Sieg, war Sardinien für den dritten VW im Bunde keine Reise wert. Andreas Mikkelsen nahm einen größeren Stein mit und beschädigte seine Aufhängung nachhaltig, konnte am Finaltag zwar wieder starten, WM-Zähler gab es aber keine mehr. Zweimal Hyundai, einmal Citroën heißen die Sieger der letzten drei WM-Läufe (Kris Meeke war hier übrigens nicht am Start) – ein Bild, was man bei der Rallye-WM gar nicht mehr kennt, ist man doch an die Seriensiege von Volkswagen gewöhnt. Das Team von VW muss sich jetzt wieder sammeln, in Polen will man nun endlich den Polo wieder auf Platz 1 des Gesamtklassements bringen.

Latvala Italien 2016 VW Polo R
©Volkswagen 2016 – Jart-Matti Latvala – gettin´dirty…

italienische Überraschungen

Die diesjährige Ausgabe der Rallye Sardinien bot alles in Sachen Rallyesport, was man sich nur wünschen kann. Dazu gab es einige Überraschungen und Debüterfolge zu verzeichnen. Da wäre zunächst der vierte Hyundai. Kevin Abbring war im Vorjahresmodell unterwegs und auch das kann noch einiges. Der Niederländer hatte zwar einige Probleme und erreichte nur als Gesamt-15. das Ziel, lieferte aber doch Glanzpunkte, darunter sein erster WRC-Etappensieg (WP10). Auf der abschließenden Powerstage lief er nur 6 Zehntelsekunden hinter Ogier ins Ziel ein – als 2. gab es erste WM-Zähler zu feiern. Hyundai muss sich in Sachen Fahrerkader definitiv keine Sorgen um die Zukunft machen.

Kevin Abbring - Hyundai i20 WRC
©Hyundai Motorsport – Kevin Abbring

Mit Eric Camilli gab es noch einen Debüt-Etappensieger zu feiern. Der Franzose in Diensten von M-Sport gewann die 17. Wertungsprüfung und wurde starker Gesamtsechster der Rallye, während Teamkollege Mads Östberg früh ins Hintertreffen geriet, nachdem ein Stein seinen Antrieb beschädigt hatte. Auch Ott Tänak konnte eine Etappe gewinnen und mit Rang 5 ein ordentliches Resultat abliefern.

Eric Camilli
©M-Sport/McKlein – Eric Camilli – Ford Fiesta

In Sachen WRC2 war Skoda erneut nicht zu schlagen. Teemu Suninen/Mikko Markkula gewannen die Rallye überlegen vor Jan Kopecky/Pavel Dresler. Eine Schrecksekunde dagegen gab es dann am späten Abend noch für Hyundai Motorsport zu überstehen. Bei der technischen Untersuchung wurde festgestellt, dass die hinteren Seitenfenster von der im Winter homologierten Form abwichen. Hintergrund: Die damals abgenommenen Fenster wurden als Einzelteile homologiert, erst danach stellte man fest, dass die Variante nicht passte. Da es dadurch aber zu keinem Wettbewerbsvorteil kam, betraf die Strafe nur die Portokasse – die wurde bei Hyundai jetzt um 50.000 Euro leichter.

Die Rallye-WM hat jetzt eine kurze Verschnaufpause, weiter geht es mit der Rallye Polen Anfang Juli – hier will vor allem Sébastien Ogier zurück auf seinen gewohnten Spitzenplatz. In diesem Sinne, Keep Rallying!

Ergebnisse Rallye Italien 2016

01. Thierry Neuville/Nicolas Gilsoul (B/B), Hyundai, 3h 35m 25.8s
02. Jari-Matti Latvala/Miikka Anttila (FIN/FIN), Volkswagen, + 24.8s
03. Sébastien Ogier/Julien Ingrassia (F/F), Volkswagen, + 1m 37.8s
04. Dani Sordo/Marc Martí (E/E), Hyundai, + 2m 54.0s
05. Ott Tänak/Raigo Mõlder (EST/EST), Ford, + 5m 26.4s
06. Eric Camilli/Benjamin Veillas (F/F), Ford, + 5m 59.8s
07. Henning Solberg/Ilka Minor (N/A), Ford, + 6m 22.2s
08. Teemu Suninen/Mikko Markkula (FIN/FIN), Škoda, + 8m 57.4s
09. Jan Kopecký/Pavel Dresler (CZ/CZ), Škoda, + 9m 47.0s
10. Karl Kruuda/Martin Jarveoja (EST/EST), Ford, + 13m 28.5s

Share: Beitrag teilen