WRC – Drama in Polen

Rallye Polen 2016
©Hyundai Motorsport – Rallye Polen 2016

Rallye Polen – Ott Tänak verliert Sieg auf den letzten Metern

Die Sensation lag bei der diesjährigen Ausgabe der Rallye Polen lange in der Luft. Der Este Ott Tänak war mit seinem DMACK-bereiften Ford Fiesta auf Siegeskurs, der Debüterfolg des schnellen Piloten war bereits zum Greifen nahe. Der 28-Jährige legte seit dem Startschuss einen sagenhaften Auftritt hin und ließ die versammelte Weltspitze alt aussehen.

Hielt die Konkurrenz am Anfang noch Kontakt zum M-Sport Piloten, baute dieser seinen Vorsprung mit zunehmender Dauer kontinuierlich aus. Allein das Schicksal meinte es nicht gut mit Tänak, der in die vorletzte Prüfung mit einem Vorsprung von knapp über 18 Sekunden auf VW-Fahrer Mikkelsen ging. Die durch Regen aufgeweichte Schotterpiste sollte einem Reifen nicht gut bekommen, so dass er hier durch einen Schaden vorne rechts gute 40 Sekunden verlor – sein erster Triumph bei einem Rallye-WM-Lauf glitt ihm somit auf den letzten Metern aus den Händen. Dementsprechend emotional und bitter enttäuscht war Tänak am Ende der Powerstage, als er zu seinem 2. Platz nur schnell ein frustriertes „Das ist nichts wert“ ins Mikrofon hauchte.

Das gesamte Feld hätte dem Esten diesen Erfolg gegönnt, Weltmeister Sebastien Ogier war der Erste, der zum Trost eilte. Trotz des Last-Minute-Dramas – Tänak hat der Rallye seinen Stempel aufgedrückt – 8 Wertungsprüfungen gingen an ihn, die Dmack-Reifen hatten in Polen allem Anschein nach mehr als genug Grip gefunden.

Andreas Mikkelsen - Polen 2016
©Volskwagen 2016

Andreas Mikkelsen – 2. WRC-Sieg

Zu Beginn der Rallye war es der Norweger Mikkelsen in VW-Diensten, der sich mit Tänak um die Spitze duellierte, ehe er den Abstand anwachsen lassen musste. Doch am Ende muss eben alles passen und Andreas Mikkelsen mit Co Anders Jæger kämpfte sich durch die letzten schlammigen Kilometer in Polen zu seinem zweiten WRC-Erfolg. „Was für ein fantastisches Ende einer verrückten Rallye. Wir haben von Anfang an alles gegeben, was wir konnten. Es tut mir leid für Ott Tänak und Ragio Molder, die nur ein Plattfuß so kurz vor dem Ziel vom Sieg abhalten konnte. Mir ist in Schweden letztes Jahr ähnliches wiederfahren“, so der glückliche Sieger.

Zwar konnten weder Jari-Matti Latvala noch Sebastien Ogier ein Wort um den Sieg in diesem Jahr mitreden, doch der Kampf der beiden untereinander war äußerst spannend. Am Ende lag der Finne vor dem amtierenden Champion auf Gesamtrang 5 – die Powerstage ging jedoch, fast wie gewohnt muss man sagen, an Ogier. Nachdem der letzte polnische Rallyetag verregnet war, bekam dem Franzosen seine Startposition an den beiden trockenen Tagen zuvor sicher nicht. Und da in diesem Jahr das Feld enger zusammengerückt ist, lässt sich das auch immer weniger kompensieren.

Hyundai – Paddon und Neuville stark

Auch wenn es für ganz vorne nicht gereicht hat, waren die Hyundai i20 auch in Polen erneut bärenstark unterwegs. Kiwi Hayden Paddon meldete sich eindrucksvoll nach seinen zwei Unfällen zurück. Der Argentinien-Sieger fand wieder in die Spur, lag zwischenzeitlich auch nahe am Spitzenduo und konnte drei WPs für sich entscheiden. Der Neuseeländer hat sich also wieder mehr als gefasst und hatte auch intern die Nase wieder vorne. Das allerdings nur ganz knapp, hätte er doch fast seinen Vorsprung auf Markenkollegen Neuville in der abschließenden Powerstage vertrödelt.

Hayden Paddon Polen 2016
©Hyundai Motorsport – Hayden Paddon

Der Sieger der Rallye Italien kam als Vierter ins Ziel und bestätigte damit seinen Erfolg – bei Hyundai darf man mit beiden sehr zufrieden sein – das wird nicht das letzte Mal in diesem Jahr sein, dass die beiden ganz vorne mitmischen. Nur für Dani Sordo lief es deutlich schlechter, nach einigen Problemen musste er nach einem Unfall auf der vorletzten Prüfung mit defekter hinterer Aufhängung die Segel streichen.

M-Sport – Licht und Schatten

Während Ott Tänak es nicht hätte besser machen können und mit Rang 2 immer noch sein bestes Erbebnis in der Rallye-Weltmeisterschaft hinlegte, landeten Mads Östberg und Eric Camilli auf den Rängen 8 und 9. Der Franzose musste nach einem Einschlag die Powerstage mit gebrochener Aufhängung und nur mit Frontantrieb ausgestattet absolvieren, während der Norweger erneut eine unscheinbare Rallye absolvierte.

RallyPoland Victory Lane 2016
©Volskwagen 2016

WRC2: Teemu Suninen – glücklicher Erfolg

Was sich in der Gesamtwertung abspielte, wiederholte sich in der WRC2. Skoda-Pilot Esapekka Lappi zog sich auch auf der vorletzten Prüfung einen Reifenschaden zu und verlor den Sieg an Markenkollege Suninen, Elfyn Evans zog ebenfalls noch vorbei auf Rang 2.

Bei Citroën konnte unterdessen Craig Breen mit Gesamtplatz 7 überzeugen, Stephane Lefebvre kämpfte sich nach einem Unfall mit Aufhängungsschaden noch als Gesamt-12. ins Ziel.

Es hat ein Weilchen gedauert, bis sich wieder ein Volkswagen-Pilot als Sieger einer Rallye eintragen konnte, beim nächsten Halt in Finnland Ende Juli wird vor allem Vorjahregewinner Jari-Matti Latvala alles daran setzen, die VW-Serie wieder in Gang zu bekommen. Doch die Konkurrenz in diesem Jahr hat da andere Pläne.

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