WRC – Herzschlagfinale auf Sardinien

Thierry Neuville
©Hyundai Motorsport GmbH/Fabien Dufour

Thierry Neuville entreißt Sébastien Ogier den Sieg auf den letzten Metern

Es war ein fulminanter Ritt, mit dem die Hyundai-Speerspitze Neuville bei der Rallye Sardinien dem amtierenden Weltmeister Ogier den Sieg auf der letzten Wertungsprüfung entriss.

Um gerade einmal 0,7 Sekunden sicherte sich ein überglücklicher Thierry Neuville den Sieg beim italienischen WM-Lauf, nachdem sich Sébastien Ogier wohl zuerst etwas zu sicher fühlte und am Ende dem belgischen Verfolger nichts mehr entgegensetzten konnte.

Neuville bewies nach dem Portugal-Sieg, dass er in diesem Jahr anscheinend endlich alles zusammen hat, um den WM-Thron zu besteigen. Nach insgesamt drei Vizetiteln in seiner Laufbahn hat er nun wohl endgültig genug von dieser Platzierung und baute seinen WM-Vorsprung weiter auf 27 Punkte vor dem Franzosen in Diensten von M-Sport aus. Das Duell von Neuville und Ogier wird die WRC aber bis zum Saisonende weiter bestimmen, auf wen man hier am besten wetten sollte, bsp. bei Anbietern wie Netbet sport, lässt sich nur schwer vorhersagen.

WRC Sardinien 2018
2©Hyundai Motorsport GmbH/Austral

Dabei sah es am Freitag noch ganz anders aus. Seb Ogier machte aus über 20 Sekunden Rückstand und einem zwischenzeitlich fünften Rang einen Vorsprung und übernahm die Rallye-Spitze. Nach 11 WPs lag der Champion dann seinerseits fast 20 Sekunden vor Neuville. Dann drehte sich aber das Blatt, der Ford Fiesta mit der Startnummer #1 ging etwas zu verhalten zu Werke und sein Verfolger meldete sich plötzlich zurück.

Thierry Neuville nahm Ogier auf einer WP über 14 Sekunden ab und damit war die Jagd eröffnet, der Rest ist WRC-Geschichte mit dem besseren Ende für den Hyundai-Piloten. Mit dem heißen Atem von Neuville im Nacken unterlief dem M-Sport Duo zudem kurz vor Ende noch ein Fauxpas. Co-Pilot Ingrassia vergaß die Bordkarte und hatte Glück, dass Ott Tänak und sein Co diese mitnahmen. So konnte man diese noch vorlegen, wurde aber dennoch bestraft.

22 Punkte Abzug hieß es am Ende, aber im Sinn des Sports ließ man Gnade vor Recht ergehen und setzte diese Strafe auf Bewährung aus. Durchatmen bei M-Sport, aber in Sardinien waren es Thierry Neuville und sein Co Nicolas Gilsoul, die sich am Ende ihr Strahlen am meisten verdient hatten.

Bei sechs ausstehenden WM-Läufen in diesem Jahr läuft es weiter auf das Duell Neuville gegen Ogier hinaus, der Rest hat sich wohl endgültig aus dem WM-Kampf verabschiedet.

Sebastien Ogier
©RallyePixels via M-Sport

Toyota – Lappi mit Podium

Ott Tänak war, wie meistens in diesem Jahr, zum Start der Rallye auch wieder vorne bei der Musik dabei. Doch seinem Yaris WRC bekam eine Landung nach einem Sprung nicht besonders, so dass er sich aus dem Kreise der Sieg-Anwärter früh verabschieden musste. Unter Rallye2-Bedingungen betrieb der Este Schadensbegrenzung und erreichte am Ende noch den neunten Gesamtrang.

Auch Jari-Matti Latvala bleibt vom Pech verfolgt, ein Felsbrocken auf der Ideallinie zerstörte die Lichtmaschine seines Boliden. Mit dem Podium vor Augen musste auch er sich seine Ambitionen auf vordere Ränge abschminken und wurde am Ende 7.

Doch zumindest einer der Toyota-Truppe kam durch. Esapekka Lappi erreichte den dritten Gesamtrang und durfte sich über ein verdientes Podium freuen.

Toyota Yaris Rallye Sardinien 2018
©Toyota Gazoo Racing WRC

Citroen im Niemandsland

Unterdessen lief bei Citroen nicht viel zusammen. Mads Östberg und Craig Breen landeten abgeschlagen auf den Rängen fünf und sechs, beide leisteten sich kleinere Ausrutscher, an der Spitze haben die C3 WRCs auf Sardinien nichts zu melden gehabt.

Es sieht bei den Franzosen nach dem Rauswurf von Kris Meeke also weiterhin ziemlich düster aus.

WRC Sardinien Citroen C3 WRC 2018
©RallyePixels via Citroën Racing Media

Lichtblick bei Hayden Paddon

Die Streckenverhältnisse auf Sardinien brachten in diesem Jahr keinerlei Vorteile für Spätstarter. Sonst hätte man wohl von Hayden Paddon noch mehr vernommen, so musste sich der Neuseeländer durch tiefe Spuren kämpfen, die die Konkurrenten gelegt hatten.

Daher ist der vierte Gesamtrang am Ende durchaus hoch zu bewerten, nach einem bisher schwierigen Jahr mit wenig Fahrpraxis konnte der schnelle Kiwi endlich wieder ein gutes Resultat nach Hause bringen.

Unterdessen läuft es bei Andreas Mikkelsen immer noch nicht rund. Der Norweger konnte zwar kurzzeitig die Führung übernehmen und startete damit famos in die Rallye, doch die Probleme ließen nicht lange auf sich warten. Nachdem sich fast alle Gänge seines Hyundai i20 WRC verabschiedet hatten, war es schon wieder vorbei mit der Hoffnung auf ein Top-Resultat.

Bei Ogiers M-Sport Kollegen ging derweil aber auch nicht viel zusammen. Elfyn Evans wurde nur 14., nachdem er sich freitags schon eine Aufhängung demoliert hatte und Teemu Suninen kam über den zehnten Rang nicht hinaus.

Ende Juli geht es für die WRC-Elite jetzt nach Finnland, dann geht es weiter mit dem WM-Duell. Sébastien Ogier ist jedenfalls seit langem mal wieder unter Zugzwang und Thierry Neuville möchte die WM-Spitze am liebsten gar nicht mehr abgeben. In diesem Sinne, Keep Rallying!

Highlights – 2018 WRC Rally Italia Sardegna – Michelin Motorsport

Ergebnis Rallye Sardinien 2018

1. Thierry Neuville / Nicolas Gilsoul (Hyundai i20 Coupe WRC) 3:28:18.7
2. Sébastien Ogier / Julien Ingrassia (Ford Fiesta WRC) +0.7
3. Esapekka Lappi / Janne Ferm (Toyota Yaris WRC) +1:56.3
4. Hayden Paddon / Sebastian Marshal (Hyundai i20 Coupe WRC) +2:55.2
5. Mads Østberg / Torstein Eriksen (Citroen C3 WRC) +3:10.9
6. Craig Breen / Scott Martin (Citroen C3 WRC) +4:31.7
7. Jari-Matti Latvala / Miikka Anttila (Toyota Yaris WRC) +11:22.1
8. Jan Kopecky / Pavel Dresler (Skoda Fabia R5) +13:14.6
9. Ott Tänak / Martin Järveoja (Toyota Yaris WRC) +13:18.2
10. Teemu Suninen / Mikko Markkula (Ford Fiesta WRC) +15:30.4