WRC – Portugal 2016 – in Teilzeit zum Sieg

Kris Meeke - Portugal 2016
©Citroën Racing Media

Portugal anno 2016 – die Sache mit der Startposition

Schon im Vorfeld der Rallye Portugal war der amtierende Rallyeweltmeister nicht gerade optimistisch – der Frust von Sébastien Ogier wuchs mit jedem staubigen Kilometer zusehends. Seine erste Startposition war hier von Nachteil – Ogier möchte gleiche Bedingungen für alle und sieht auch bei den Asphaltrallyes keinen Vorteil darin, als Erster auf die Piste zu gehen – lediglich in Monte Carlo sei dies der Fall. Gut, Schweden hat in diesem Jahr gezeigt, dass es mal zum Nachteil, aber auch durchaus zum Vorteil sei kann. Das Problem trägt im aktuellen Reglement natürlich der WM-Führende immer mit sich rum, andere hätten dieses Problem durchaus gerne, was Hyundai-Mann Hayden Paddon mal vor einigen Wochen verlauten ließ.

Kris Meeke
©Citroën Racing Media – Kris Meeke

Kris Meeke – Zweiter WRC-Sieg

Teilzeitpilot Kris Meeke, der froh war, endlich wieder im Geschehen dabei sein zu dürfen und nicht nur die Entwicklungsarbeit am Fahrzeug für 2017 zu leisten, profitierte unterdessen von seiner späten Startposition. Aber der Nordire lieferte in seinem Citroën DS3 auch einfach eine famose Rallye ab, nachdem er bei seinen anderen Einsätzen in diesem Jahr unglücklich an dem ein oder anderen locker gewordenen Stein hängen blieb. Nicht so in Portugal, das Duo Meeke/Nagle war am Freitag und Samstag nicht zu schlagen und baute sich mit Bestzeiten bei insgesamt acht Wertungsprüfungen einen satten Vorsprung aus, den man am Ende nur noch verwaltete.

Fafe Jump - Rallye Portugal 2016
©Citroën Racing Media

Ungefährdet konnte so Kris Meeke mit knapp 30 Sekunden Vorsprung seinen zweiten Rallye-WM-Laufsieg nach Hause fahren. „Es gibt nicht viele Fahrer, die eine WRC-Rallye gewonnen haben, aber es gibt noch weniger, die zwei gewinnen konnten! Wir werden jetzt natürlich versuchen, auf dieses Resultat aufzubauen für die nächsten Rallyes und besonders auch für 2017, um auf der höchsten Stufe wettbewerbsfähig sein zu können“, so ein überglücklicher Meeke im Ziel.

Ogier, Latvala und Mikkelsen  – Auf und Ab bei Volkswagen Motorsport

Immerhin vier Wertungsprüfungen gingen an den amtierenden Champion Sébastien Ogier, der jedoch keinen Hehl aus seiner Abneigung zur Startposition machte – Meeke konnte er nicht gefährden, dennoch lag er lange auf Rang 2 und wurde erst kurz vor Schluss von Teamkollege Andreas Mikkelsen abgefangen, der in Portugal einen ganz starken Auftritt ablieferte. Am Schlusstag der Rallye Portugal übernahm er Rang 2 von Ogier, der allerdings einen schleichenden Plattfuß sein Eigen nannte, das Problem wiederholte sich am Sonntag nochmals beim Franzosen, der somit am Ende mit Rang 3 noch gut bedient war.

RallyPortugal VW Polo R
©Volkswagen 2016

Als Powerstage-Spezialist setzte Ogier seinen Frust wieder einmal in Geschwindigkeit um und gewann die Wertungsprüfung, die zu einem Dreifach-Triumph von Volkswagen wurde, hinter ihm folgten Latvala und Mikkelsen. Dadurch baute der Franzose am Ende zwar sogar seine WM-Führung weiter aus – zufriedene Gesichter sehen aber anders aus. Das mag daran liegen, dass es der Polo R nicht gewohnt ist, bei zwei Rallyes hintereinander nicht zu gewinnen, das gab es bislang noch nie. Paddon in Argentinien und Meeke in Portugal beendeten somit einer der größten Erfolgsserie überhaupt.

Polo R "Flying High"
©Volkswagen 2016 – Polo R „Flying High“

Und was war mit dem schnellen Finnen? Jari-Matti Latvala hatte wieder früh das Pech gepachtet, bereits am Freitagnachmittag fiel die Servolenkung am Polo aus, über drei Minuten verlor der VW-Pilot in der Folge. Mit Gesamtrang 6 konnte er noch Schadensbegrenzung betreiben, auch weil bei der Konkurrenz nicht alles rund lief.

Hyundai Motorsport – starker Dani Sordo, Drama für Hayden Paddon, Pech für Thierry Neuville

Thierry Neuville - i20 WRC
©Hyundai Motorsport

Dani Sordo begann die Rallye Portugal stark und schien lange Zeit das Podium fest im Griff zu haben. Mit einigen Abstimmungsschwierigkeiten musste er am Ende dann aber doch deutlich Andreas Mikkelsen ziehen lassen, so dass er am Ende lieber Rang 4 sicher nach Hause brachte. Das lag auch daran, dass seine Hyundai-Kollegen schon längst nicht mehr um WM-Zähler mitmischen konnten.

Thierry Neuville – diesmal nicht für Herstellerpunkte nominiert, war zu Beginn der Rallye noch sehr vorsichtig unterwegs, konnte sich am Ende des ersten Tages aber zurück in die Top5 des Gesamtklassements schieben. In den Straßen von Porto konnte er dann immerhin auch zwei kurze WPs für sich entscheiden. Wertungsprüfung Nummer 11 am Folgetag sollte dann aber das Aus bedeuten, Neuville hatte nicht genug Sprit an Bord, Pech, das nicht passieren sollte, aber halt auch kann.

Hyundai i20 WRC Fafe Jump
©Hyundai Motorsport

Das größte Drama gab es rund um Hayden Paddon. Der frisch gebackene Sieger der Rallye Argentinien legte einen ordentlichen Start in die Rallye hin, geriet aber bereits auf der fünften Prüfung mehr als nur leicht ins Abseits. In einer 4.Gang-Kurve hatte sich in der Strecke ein Loch gebildet, morgens kam der Hyundai i20 WRC hier noch problemlos durch. Nun blieb der Neuseeländer aber hängen und flog ab – ein Überschlag mit Folgen, denn der heiße Auspuff löste einen Buschbrand aus, dem der i20 zum Opfer wurde.

Paddon und Co Kennard blieben unverletzt, doch was vom Hyundai übrig blieb, war nicht mehr viel. „Wir sind von einem Extrem ins andere gekommen. Es ist enttäuschend, viel schlimmer ist es aber für das Team“, so der Kiwi, der umgehend mit der Fehleranalyse beschäftigt war und sich künftig auf der Recce noch akribischer als eh schon auf solche Begebenheiten vorbereiten will.

Kevin Abbring war derweil im Vorjahres-i20 auch mit am Start, musste aber nach einem Unfall auf der dritten Wertungsprüfung schon die Segel streichen. In Argentinien noch ganz obenauf, war Portugal dem Team von Hyundai Motorsport nicht sehr wohl gesonnen. Im Werk bei Alzenau werden die Lichter jetzt nicht so schnell ausgehen.

Hyundai i20 WRC Portugal 2016
©Hyundai Motorsport – Thierry Neuville

M-Sport – Camilli mit Aufwärtstrend, Mads Østberg in Problemen

Eric Camilli konnte mit Rang 5 sein bestes Resultat bisher in der WRC einfahren und zeigte einen deutlichen Aufwärtstrend, obwohl er bei einem Dreher kurz vor Ende seinen Vorsprung auf Jari-Matti Latvala fast einbüßte. Abwärts ging es dagegen für Mads Østberg, der mit seinen Ford Fiesta nicht wirklich gut zurecht kam und sich mit Rang 7 vor Martin Prokop begnügen musste.

Ott Tänak verlor seinen DMACK-Fiesta an gleicher Stelle wie Hyundai-Pilot Paddon, jedoch blieb der Ford dem Team erhalten. Auch Henning Solberg musste nach einem Abflug das Aus hinnehmen. In der WRC2 konnte sich Skoda-Pilot Pontus Tidemand deutlich durchsetzen, während der WM-Führende Elfyn Evans nach einem Crash überraschend punktelos blieb.

Vom 09.-12. Juni steht nun die Rallye Sardinien auf dem Programm – sowohl Volkswagen, als auch Hyundai haben nach Portugal ein gesteigertes Bedürfnis nach einem Erfolgserlebnis. In diesem Sinne, Keep Rallying!

Ergebnis Rallye Portugal 2016
01. Kris Meeke/Paul Nagle (GB/IRL), Citroën, 3h 59m 01.0s
02. Andreas Mikkelsen/Anders Jæger (N/N), Volkswagen, + 29.7s
03. Sébastien Ogier/Julien Ingrassia (F/F), Volkswagen, + 34.5s
04. Dani Sordo/Marc Martí (E/E), Hyundai, + 1m 37.1s
05. Eric Camilli/Benjamin Veillas (F/F), Ford, + 4m 01.6s
06. Jari-Matti Latvala/Miikka Anttila (FIN/FIN), Volkswagen, + 4m 06.9s
07. Mads Østberg/Ola Fløene (N/N), Ford, + 6m 53.6s
08. Martin Prokop/Jan Tománek (CZ/CZ), Ford, + 10m 24.1s
09. Pontus Tidemand/Jonas Andersson (S/S), Škoda, + 11m 45.2s
10. Nicolás Fuchs/Fernando Mussano (PE/RA), Škoda, + 13m 14.0s

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