WRC – Rallye Portugal – Ogier triumphiert

40. Karrieresieg – Sébastien Ogier gewinnt Rallye Portugal

Am letzten Tag der Rallye Portugal waren die Verhältnisse im Feld klar, anders als bei den WRC-Rallyes zuvor. Die Abstände boten keine wirklichen Duelle mehr, doch auch der Schotterauftritt bei der Traditionsrallye in Portugal bot vieles an Dramen. Davon unbeeindruckt zeigte sich der amtierende Weltmeister.

Die Rolle des Freitags-Straßenkehrers kennt der Franzose schon zu Genüge, doch in Portugal hielt er den Kontakt an die Spitze, am Samstag übernahm er die Führung und gab sie bis ins Ziel nicht mehr ab. Vorher war es jedoch sein Teamkollege Ott Tänak, der Position 1 innehatte und wieder auf dem Weg zu einem mehr als guten Resultat war.

Doch auf der 12. Wertungsprüfung touchierte Tänak eine Böschung beim Anbremsen, daraufhin brach etwas an der Aufhängung und der Este verlor den entscheidenden Boden. Sein Debütsieg muss also weiter waren, am Ende konnte er mit Rang 4 aber noch gute WM-Zähler mitnehmen.

WRC Rallye Portugal
©M-Sport

Seb Ogier erhielt für diese Rallye ein brandneues Chassis, welches ihn zum zweiten Saisonerfolg nach Monte Carlo brachte, beim Champion lief es diesmal rund, er leistete sich keinen Fauxpas und während um ihn herum die meisten ordentlich ins Straucheln kamen, behielt die Nr. #1 einen kühlen Kopf. Es war sein 5. Sieg in Portugal, damit zog er in der Historie mit Markku Alen gleich. Einzig auf der abschließenden Powerstage hielt er sich ein wenig zurück, um den Triumph nicht zu gefährden.

Ogier hat damit in der Weltmeisterschaft weiter das Kommando, sein Vorsprung beträgt nun 22 Punkte auf seinen dichtesten Verfolger. Der heißt wenig überraschend Thierry Neuville.

Sebastien Ogier Portugal
©Ricardo Oliveira via M-Sport

Thierry Neuville – erster Verfolger

In Sachen Formkurve kann man sich bei Thierry Neuville sicher nicht beschweren. Der Belgier lief am Ende mit etwas über 15 Sekunden Rückstand auf den Fiesta WRC von Ogier im Ziel ein. Insgesamt hatte man nicht den Speed, den man schon an anderer Stelle zeigen konnte, doch die Zeit, die dem Duo Neuville/Gilsoul am Ende fehlte, ist durchaus erklärbar.

Beim Start der Rallye verlor Neuville früh etwas Boden, weil er es zu vorsichtig angehen ließ. Danach lief er auf Jari-Matti Latvala auf, der sich überschlagen hatte und nun den Hyundai hinter ihm in Staub hüllte. Zwar gab es eine Zeitgutschrift, allerdings nicht in dem Umfang, auf den Neuville gehofft hatte.

Thierry Neuville Portugal
©Hyundai Motorsport GmbH/RaceEmotion

Mit Rang 2 in der Powerstage zeigte Neuville aber erneut, warum er derzeit der stärkste Konkurrent für Ogier ist. So liegen aktuell der Weltmeister und der Vizeweltmeister des Vorjahres wieder auf den Rängen 1 und 2 in der Gesamtwertung – das kommt nicht von ungefähr.

Hayden Paddon – Aufwärtstrend technisch eingebremst

Bei Hyundai konnte vor allem der Neuseeländer Hayden Paddon beweisen, dass er mit zur Weltspitze gehört. Zu Beginn der Rallye führte er sogar das Feld an, bevor ihn technische Probleme in die Knie zwangen. Der Kiwi bekam mit Co Seb Marshall ein Elektronik-Problem an seinem Hyundai i20 WRC, das den Boliden für ca. 11 Minuten lahm legte.

Paddon war somit früh aus der Entscheidung raus, konnte aber mit erneuten WP-Bestzeiten seine Schotterqualitäten später nochmals unter Beweis stellen. Nach weiteren technischen Problemen musste er dann jedoch die Rallye aufgeben. Der dritte Hyundai durfte sich derweil über das Podium freuen.

Fave Hyundai i20 WRC
©Hyundai Motorsport GmbH/RaceEmotion

Hyundai – Dani Sordo auf Rang 3

Der Spanier Dani Sordo zeigte eine solide Leistung mit Gesamtrang 3, zwar kam Ott Tänak nochmals bis auf 28 Sekunden an ihn heran, doch der Hyundai-Pilot behielt die Nerven. Allerdings konnte er weder den Speed von Neuville, noch den von Paddon an den Tag legen. Er wird wohl eher wieder auf Asphalt bei den Schnellsten sein.

Toyota – Drei Finnen im Einsatz

Erstmals waren drei Yaris WRC im Einsatz am letzten Wochenende. Jari-Matti Latvala konnte früh ebenfalls die Führung übernehmen, überschlug sich dann jedoch – ein Top-Resultat war damit nicht mehr möglich.

Toyota Rallye Portugal
©Ricardo Oliveira via Toyota Gazoo Racing

Am Ende kam er mit Rang 9 nur einen Platz vor Yaris-Debütant Esapekka Lappi ins Ziel, der sich allerdings früh mit einem Loch im Kühler herumschlagen musste und deutlich Leistung verlor. Doch er zeigte mehrfach eine beachtliche Leistung, die er mit Rang 4 in der Powerstage belohnte. Von ihm wird man sicherlich noch einiges erwarten dürfen. Bester Toyota Yaris wurde somit am Ende Juho Hänninen mit Platz 7.

Citroën – schwere Schottertage

Es war Craig Breen, der für die Franzosen mit Gesamtrang 5 ein ordentliches Ergebnis ablieferte. Kris Meeke mischte zu Beginn ebenfalls vorne mit, musste nach einem Einschlag mit Aufhängungsschaden aber erneut aufgeben, während es Markenkollege Lefebvre noch schlimmer erwischte. Nach einem erneuten Überschlag konnte er froh sein, überhaupt noch das Ziel zu sehen. Mehr als Gesamtrang 13 war aber nicht drin.

Was viele erwartet haben, ist dann nun passiert. Andreas Mikkelsen kehrt bei der Rallye Italien im Juni wieder in ein Top-WRC-Cockpit zurück und wird anstelle von Lefebvre im C3 WRC Platz nehmen. Vorerst ist dies nur für den nächsten WM-Lauf angedacht, aber vermuten lässt sich hier durchaus eine Verlängerung. Es dürfte für die gesamte Mannschaft sehr interessant sein, wie sich der Norweger schlagen wird, zuzutrauen muß man ihm einiges.

Citroën C3 WRC
©Citroën Racing Media

Frühe Schotter-Dramen

Elfyn Evans zeigte erneut eine starke Leistung, doch der ein oder andere Plattfuß warf ihn im Gesamtklassement zurück, so dass am Ende nur Rang 6 für den Beinahe-Sieger in Argentinien übrig blieb.

Die Dramen der Rallye Portugal fanden früh statt. Bereits auf der siebten Wertungsprüfung am Freitag begann das große Favoritensterben, danach folgte im Prinzip nur noch der Führungsverlust von Ott Tänak. An dieser Stelle einmal die WP 7 im Überblick, da soll noch einer sagen, Rallye sei langweilig…

Ött Tänak – Zeitverlust durch Probleme an der Aufhängung vorne

Jari-Matti Latvala – Überschlug, Zeitverlust fast 5 Minuten

Hayden Paddon – Auto durch Elektronik-Defekt für 11 Minuten außer Gefecht

Craig Breene – gebrochener Dämpfer

Kris Meeke – Plattfuß, gebrochene Aufhängung, Aufgabe

Thierry Neuville – Zeitverlust im Staub hinter dem waidwunden Yaris von Latvala

Esapekka Lappi – Leistungsverlust, Loch in Kühler

Ogier Fiesta WRC 2017
©Andre Lavadinho via M-Sport

Bis zu diesen diversen Problemen war kein klarer Sieganwärter auszumachen. Die Führung wechselte regelmäßig, nach den ersten WPs lagen die Top 8 nur durch wenige Sekunden getrennt. WM-Punkte gab es mit Rang 8 unterdessen für Mads Ostberg, der sich auf der letzten Prüfung mal wieder mit einem gewaltigen Satz in die Herzen der Zuschauer fuhr bzw. sprang.

Nächster Halt der WRC ist nun vom 08.-11.06.2017 die Rallye Italien auf Sardinien. In diesem Sinne, Keep Rallying!

Gesamt-Ergebnis WRC Rallye Argentinien 2017

1. Sébastien Ogier / Julien Ingrassia (Ford Fiesta WRC) 33:6:15.1
2. Thierry Neuville / Nicolas Gilsoul (Hyundai 120 Coupe WRC) +15.6
3. Dani Sordo / Marc Marti (Hyundai 120 Coupe WRC) +1:01.7
4. Ott Tänak / Martin Järveoja (Ford Fiesta WRC) +1:30.2
5. Craig Breen / Scott Martin (Citroen C3 WRC) +1:57.4
6. Elfyn Evans / Daniel Barritt (Ford Fiesta WRC) +3:10.6
7. Juho Hänninen / Kaj Lindstrom (Toyota Yaris WRC) +3:48.9
8. Mads Østberg / Ola Fløene (Ford Fiesta WRC) +5:29.7
9. Jari-Matti Latvala / Mikka Anttila (Toyota Yaris WRC) +5:43.6
10. Esapekka Lappi / Janne Ferm (Toyota Yaris WRC) +8:13.3

WM-Stand WRC

1. Sébastien Ogier – 128
2. Thierry Neuville – 106
3. Jari-Matti Latvala – 88
4. Ott Tänak – 83
5. Dani Sordo – 66
6. Elfyn Evans – 53
7. Craig Breen – 43
8. Hayden Paddon – 33
9. Kris Meeke – 27
10. Juha Hänninen – 21

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