WRC – Rallye Korsika – Überraschungen nach der Sintflut

Tour de Corse 2015
©Volkswagen 2015 – Tour de Corse

Der Wettergott meinte es nicht gut mit der Rallye-Weltmeisterschaft, als diese letztes Wochenende nach sieben Jahren Abstinenz wieder auf Korsika unterwegs war.  Heftige Unwetter führten dazu, dass einige Straßen unpassierbar waren und somit auch die ein oder andere Wertungsprüfung abgesagt werden musste. Besonders an Tag 1 der Tour de Corse fanden die Piloten schwierige Bedingungen vor, als man immerhin 2 von 3 Wertungsprüfngen absolvieren konnte.

Gut aufgelegt präsentierte sich hier Robert Kubica, der Australien noch ausgelassen hatte, um sich intensiv auf den französischen Asphalt vorzubereiten. Das gelang zunächst wieder einmal ganz gut – Schnellster beim Shakedown und nach den ersten Rallye-Kilometern dann auch ganz vorne – der Pole konnte seinen Speed umsetzen. Auf der fünften Wertungsprüfung sollten ihn allerdings zwei Reifenschäden ereilen, somit spielte er letztlich in der Gesamtwertung keine Rolle mehr. Immerhin konnte er auf der abschließenden Power-Stage mit Rang 2 noch ein wenig Balsam für die Seele einfahren.

VW Polo R WRC
©Volkswagen 2015

Auch Weltmeister Sébastien Ogier verließ das Glück – zunächst noch in Front gelegen, zwang ihn ein Plattfuß zum Reifenwechsel und warf den Franzosen aus den Top 10 heraus. Doch es kam noch schlimmer – ein defektes Getriebe am VW Polo R ließ eine Aufholjagd erst gar nicht zu – Ogier spielte somit keine Rolle mehr und wurde am Ende als 15. gewertet.

Hyundai20 WRC - Korsika 2015
©Hyundai Motorsport – Korsika 2015

Am ersten Tag musste man sich am Abend dann schon die Augen beim Blick auf die Gesamtwertung mehrfach reiben. Die führte überraschenderweise M-Sport Pilot Elfyn Evans mit seinem Fiesta an, der die letzte Prüfung für sich entscheiden konnte und sich damit von  Rang 6 an die Spitze des Feldes katapultierte. Dahinter eine weitere Überraschung.

Der Niederländer Kevin Abbring brachte seinen Hyundai i20 in für ihn ganz neue Regionen, auch wenn er in der Folge die Postition nicht halten konnte, war er doch weiter unterwegs zu seinem besten WRC-Resultat. Rang 5 war in Reichweite, als er sich leider mit einem Abflug bei der achten Wertungsprüfung verabschiedete.

Jari-Matti Latvala/Miikka Anttila
©Volkswagen 2015 – Sieger Latvala/Anttila

Tag 2 der Rallye stand ganz im Zeichen von Jari-Matti Latvala, der Fiesta-Pilot Evans jagte und trotz Getriebeproblemen die Führung mit gerade einmal 2 Sekunden am Tagesende übernehmen konnte. Von da an war der Finne nicht mehr aufzuhalten und von den Kollegen auf dem Zeitentableau nicht mehr zu erreichen. Am Schluss der Rallye hatte er gute 43 Sekunden Vorsprung auf Evans. WM-Laufsieg Nummer 15 von Latvala bedeutet Saisonsieg Numero Drei – er ist nach Markku Alen erst der zweite Finne, der die Rallye auf der französichen Insel für sich entscheiden konnte.

„Mir fällt es schwer, das alles in Worte zu fassen. Es ist ein großartiges Gefühl, hier auf Korsika zu gewinnen. Es waren wieder keine leichten Bedingungen heute, weil sich immer wieder trockene und feuchte Passagen abwechselten. Und mein Vorsprung auf Elfyn Evans war nicht gerade das, was man als komfortabel bezeichnet. Ich wollte trotzdem nicht zu viel riskieren und mit einer kontrollierten, coolen Fahrweise den Vorsprung ausbauen und ins Ziel bringen. Das ist mir ganz gut gelungen“, so der Finne.

Rallye Korsika
©Volkswagen 2015 – Korsikaimpression

Evans musste sich nach dem Verlust der Führung nach hinten orientieren, denn der dritte VW-Mann drückte immer mehr. Rang 2 war auf den letzten Prüfungen richtig spannend umkämpft, ganz knapp musste sich Andreas Mikkelsen hier dem M-Sport Fahrer geschlagen geben. Unscheinbar auf Rang 4 lief Kris Meeke ein, immerhin vor Teamkollegen Mats Östberg, der seinen Citroen DS3 auf Gesamtrang 6 platzieren konnte.

Dazwischen lief der beste Hyundai-Pilot ein. Nach dem Aus von Abbring war dies – und somit eine weitere Überraschung – Hayden Paddon, der sich im Laufe der Rallye sukzessive nach vorne arbeiten konnte und auch auf dem Asphalt immer besser in Schuss kommt. Der Neuseeländer konnte auf ganzer Linie überzeugen – für die Truppe von Hyundai sicherlich sehr erfreulich, auf der anderen Seite waren dies aber in Sachen Herstellerwertung weniger gute Neuigkeiten. Denn sowohl Thierry Neuville als auch Dani Sordo spielten af Korsika keine Rolle und Hyundai-Intern auch die zweite Geige.

Hayden Paddon Korsika 2015
©Hyundai Motorsport – Hayden Paddon

Am schlimmsten erwischte es den Belgier, der gleich auf Wertungsprüfung Nummer 1 an einer Brücke hängenblieb und die Hinterradaufhängung des i20 WRC nachhaltig ramponierte. Aufgabe, Strafzeit – schon waren die Top 10 für Neuville unerreichbar. Bei ihm läuft es bis dato in diesem Jahr alles andere als rund, eine problemlose Rallye wäre ihm jetzt mal zu wünschen, er kann sie auf jeden Fall gebrauchen.

Hayden Paddon Rallye Korsika
©Hyundai Motorsport – Hayden Paddon findet sich immer besser auf Asphalt zurecht

Teamkolloge Sordo konnte den Traum einer vorderen Platzierung ebenfalls am Freitag schon ad acta legen. Ein leichter Einschlag, Felge beschädigt, die Folge: Plattfuß. Der Radwechsel kostete gute zwei Minuten, von diesem Rückstand konnte sich der Spanier nicht mehr erholen. Auf der achten Wertungsprüfung zeigte er zumindest mit der Bestzeit, was möglich gewesen wäre. Aber wäre zählt nun mal auch im Rallyesport rein gar nichts – vor allem gibt es dafür keine WM-Zähler. Die erreichte Dani Sordo zwar noch mit Rang 7, Hyundai musste allerdings dadurch Citroen in der Herstellerwertung Rang 2 überlassen. Hier bleibt es also weiter spannend.

Sordo wird bestrebt sein bei seinem kommenden Heimspiel besser abzuschneiden und Hyundai im Kampf um Rang 2 bei den Herstellern zu stärken. Die letzten Sieger der bevorstehenden Rallye Spanien hießen übrigens alle Sebastien mit Vornamen, von 2005-2015 siegte hier Loeb, die letzten beiden Jahre war es Ogier, der vom 22.10.-25.10.2015 sicher diese Liste fortführen möchte. In diesem Sinne, Keep Rallying!

Gesamtergebnis WRC – Rallye Frankreich – Tour de Corse 2015

1.Jari-Matti Latvala/Miikka Anttila (FIN/FIN), Volkswagen2:39.46,7 Std.
2.Elfyn Evans/Daniel Barritt (GB/GB), Ford+ 43,1 Sek.
3.Andreas Mikkelsen/Ola Fløene (N/N), Volkswagen+ 46,3 Sek.
4.Kris Meeke/Paul Nagle (GB/IRL), Citroën+ 1.33,4 Min.
5.Hayden Paddon/John Kennard (NZ/NZ), Hyundai+ 1.53,6 Min.
6.Mads Østberg/Jonas Andersson (N/S), Citroën+ 1.59,8 Min.
7.Dani Sordo/Marc Martí (E/E), Hyundai+ 2.10,4 Min.
8.Bryan Bouffier/Thibault De la Haye (F/F), Ford+ 2.12,8 Min.
9.Stéphane Sarrazin/Jacques-Julien Renucci (F/F), Ford+ 2.39,3 Min.
10.Ott Tänak/Raigo Mõlder (EST/EST), Ford+ 3.43,0 Min.

 

 

Share: Beitrag teilen