Der Autofriedhof von Kyrkö Mosse – Schweden mal anders

Autofriedhof in Schweden - Lost Place

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Ein Sonnenstrahl blitzt durch den gut bewaldeten Sumpf von Kyrkö Mosse. Irgendwo in der Ferne höre ich einige Vögel ihre Weibchen anlocken. Es herrscht ansonsten absolute Stille an diesem doch etwas seltsamen Ort. Ich bin sehr vorsichtig – und doch macht es im gleichen Moment „krrzz“. Mist! Ich habe da wohl auf ein Relikt längst vergangener Zeiten getreten.

Längst hat sich das Waldstück zu einem beliebten Ausflugsziel der Region in Südschweden gemausert. Zahlreiche alte verostete Autos, noch dazu in einem Waldstück – sieht man im so auf Umweltschutz bedachten Europa recht selten. Und doch hat dieses Stück Land eine ganz besondere Geschichte.

Lost Places....

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Die Geschichte eines Mannes, der für besondere Autos lebte – und seine Lieben auf eine ganz besondere Art der Nachwelt hinterlassen hat. Der Mann hieß Åke Danielsson. Er reparierte hier noch bis in die späten 80er Jahre Oldtimer und ganz besondere Raritäten. Doch Åke wurde älter, kam ins Altenheim und verstarb vor einigen Jahren, ohne jedoch auf seinem Grundstück jemals „Aufgeräumt“ zu haben. Es entstand ein heftiger Streit zwischen Umweltschützern und der regionalen Politik, der weite Kreise gezogen hat. Das Ende vom Lied: Die Autos dürfen bis zu ihrem entgültigen Verfall oder solange bis das Moor sie schluckt, in diesem Wald verbleiben. Ein offizieller – inoffizieller Lost-Place sozusagen, den ihr zu jeder Tag und Nachtzeit besuchen könnt.

Leider sind solch besondere Orte nicht dem Vandalismus gefeit – und so kommt es, dass es in den Autos keine Fenster mehr gibt, das alles, was irgendwie Wert hatte, schon gestohlen wurde und das eigentlich nur noch die Karossen und ein wenig Interieur übrig geblieben sind. Ich entdecke ein altes rostiges Bett, und die windschiefe Scheune traue ich mich gar nicht zu betreten. Ein Windstoß, und das Haus liegt wahrscheinlich darnieder.

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Ich entdecke einen kleinen Schulbus, zahlreiche typisch amerikanische Karossen und bei so manchen blitzt sogar das Chrom der Stoßstangen noch hervor. Die Natur hat längst angefangen, sich ihr Terrain zurückzuerobern. Ich finde kleine Bäumchen, die auf Hutablagen wachsen, oder ein Strauch, der sich im Motorraum eines Oldtimers seine Vorherrschaft zurückkämpft.

In einem kleinen Rinnsal liegt eine Tonne mit altem Kraftstoff – und das Wasser wirkt fast schwarz – was aber, wie ich feststellen kann, nur durch den Torfboden kommt. Die Schwermetalle sind hier schon entfernt – sagt man. Ob dem wirklich so ist – nun das kann ich nicht wirlich einschätzen. Für mich ist das hier eine Reise zurück in die eigene Kindheit – ein Abenteuerland – was ich jedem Südschwedenurlauber auf jeden Fall ans Herz legen will.